Zurück aus Südostasien


Meine Kolumne in der Thüringer Allgemeine


Eigentlich fühle ich mich wegen meiner vielen Umzüge schon seit einigen Jahren, als wäre ich auf einer Reise. Von Kassel nach Erlangen, dann nach Bern, Frankfurt, Berlin und schließlich nach Gotha. Alle diese Reisestationen waren auf ganz unterschiedliche Art und Weise wichtige Erfahrungen für mich. Ich habe großartige Menschen kennen-gelernt und tolle Dinge gesehen. Gleichzeitig war ich immer lang genug da, um mich auf die Orte einlassen zu können und einen neuen Alltag zu entwickeln. Vor allem in Gotha würde ich am liebsten noch ein Jahr länger bleiben. Zum Glück ist bis zu meiner Abschlusslesung Ende November noch viel Zeit – ich habe noch den ganzen Herbst in dieser schönen Stadt. Und nach dem bisher heißesten Sommer meines Lebens ist der kühle Wind hier wirklich erfrischend. Denn gerade komme ich von einer viel kürzeren Reise wieder, ganz ohne Alltag und der Möglichkeit, mich einzuleben: Ich bin durch Südostasien gereist. Eine Reise, die all meine bisherigen sofort in den Schatten gestellt hat.

Zuvor bin ich noch nie in Asien gewesen. Zwar kannte ich Bilder aus dem Fernsehen, ich habe viele Reisegeschichten von Freunden und Bekannten gehört und ich hatte mich wochenlang darauf vorbereitet. Trotzdem fühlte ich mich völlig unvorbereitet, als wir in der Hauptstadt von Laos ankamen. Ich wusste gar nicht, wo ich hinschauen sollte. 

Schon allein die Häuser sahen völlig anders aus. Die meisten waren aus Holz gebaut und das Erdgeschoss hatte keine Seitenwände, sodass sich die Hitze nicht zu stark staute. An jeder Straßenecke konnte man für unglaublich wenig Geld unglaublich lecker essen, die Menschen waren immer freundlich, die Luft war immer feuchtwarm und auf den wenigsten Klos gab es Klopapier – oder Kloschüsseln. 

An den ersten Tagen wussten wir noch nichts von der wunderschönen Landschaft dieses Landes, vom breiten Fluss, auf dem wir tagelang Kajak fahren würden, von den Inseln, auf denen fast nie Touristen gesehen werden, von den 'Happy Shakes' (Fruchtshakes, die dich mithilfe von nicht ganz legalen Zusatzstoffen ziemlich 'happy' machen), und von den dunkeln Wasserhöhlen, durch die wir kriechen würden. Wir waren auch so schon völlig überfordert in dieser Stadt voller Motorroller. Gleich zu Anfang mieteten wir selbst welche, um die Umgebung schneller erkunden zu können, und kurze Zeit später taufte ich unsere Motorroller-Gang „Bloody Knees“. Denn schon in der dritten Kurve war mein Roller viel schneller als ich. Ich wusste gleich, dass mich diese Wunde die ganze Reise lang begleiten würde.

Mehr oder weniger unerschrocken begannen wir nun unsere Touren durch Laos, unser erstes von drei Ländern, die wir besuchen würden. Ich werde wohl noch einige Kolumnen mehr brauchen, um alle meine Reisegeschichten loszuwerden. Gleichzeitig freue ich mich über die fast motorradfreien Gothaer Straßen, durch die ich hier schlendern kann, über die sauberen Klos mit Klopapier und den Luxus eines weichen, sauberen Betts im Brühl.

Keine Kommentare

Kommentar veröffentlichen

ImpressumKontakt • © 2013 by Rebekka Knoll • Design by Tanja Bertele