Ohne Tuk Tuk durch Thüringen

Meine Kolumne in der Thüringer Allgemeine

Von der Reiselust gepackt brachen wir Anfang der Woche gleich noch einmal auf. Zwar schulterten wir keine schweren Rucksäcke, wir legten kaum Kilometer zurück und trotzdem musste ich mit meinem Thüringenticket in der Hand immer wieder an meine Reise durch Südostasien denken. Zumindest war es sehr schön, obwohl ähnlich viel nach Plan lief – nämlich fast nichts.

Der Plan: Wir fahren nach Arnstadt und Saalfeld. Dort besichtigen wir die Feengrotte, deren tausend Farben im Guinessbuch der Rekorde stehen. Im Feenrausch entscheiden wir, ob und wohin wir als nächstes fahren.

Die Wirklichkeit: Der Zug hat Verspätung, sodass wir unseren Anschluss in Neudietendorf verpassen. Wir bleiben sitzen und landen in Weimar. An einem Montag – heute ist weder das Schillerhaus noch das Goethehaus geöffnet. Zum Glück ist das schöne Weimar trotzdem einen Besuch wert.
Von hier aus geht’s doch noch nach Saalfeld. Auf dem Weg durch die hübsche Altstadt genieße ich den kühlen Herbstwind im Gegensatz zur laotischen Hitze. Schade ist allerdings, dass am Straßenrand keine frischen Fruchtshakes für 50 Cent angeboten werden. Stattdessen finden wir bald die Grotte und bekommen ein anderes Angebot: Eine Kinderführung. Die kleinen Zwerge treffen sich in zehn Minuten! Was soll's, auf die Erwachsenenführung wollen wir nicht warten, also lassen wir uns Feenstaub in die Haare pusten und erfahren, dass das von der Decke tropfende Wasser in Wirklichkeit Trollpipi ist. Lächelnd betreten wir das Reich der Feen. Zwar hatten wir es uns bunter vorgestellt, doch die vielen lustigen Kinder entschädigen uns.
Während ich sie beobachte, muss ich an die Insel denken, auf der wir Rast von unserer Mekong-Kanutour gemacht hatten. Um uns herum hatten sich immer mehr Schulkinder gesammelten. Sie hatten gerade Pause und fanden uns wohl so faszinierend, dass sie uns zu vierzigst beim Essen beobachten mussten.
Die Kinder in Thüringen finden uns weniger spannend, dafür freuen sie sich umso mehr über Trollpipi.

Schon ist dieser Tag vorbei, für eine weitere Stadt wird er nicht reichen. Und auf dem Rückweg nach Gotha muss ich noch an unser Wochenende in Bangkok denken, denn dort haben wir ungewöhnlich freundliche Menschen getroffen, die sich bestens in der Stadt auskannten, zufällig Kuli und Stadtplan dabei hatten, uns eine tolle Route vorschlugen – mit Halt in einem supergünstigen Modegeschäft – und uns ein Tuk Tuk anhielten. Plötzlich standen wir in diesem Modegeschäft und trotz Protest bald im nächsten und im nächsten.

Zwar gibt es in Saalfeld keine Tuk Tuks, dafür gibt es die Deutsche Bahn, die einen manchmal auf ähnliche Irrwege schickt. Sie verspricht, man könne mit einem Thüringenticket jedes Verkehrsmittel nutzen. Im Saalfelder Bus erfahren wir, dass er davon allerdings ausgeschlossen ist.
Zum Glück ist er fast so günstig wie ein Tuk Tuk und die Busfahrerin genauso nett wie die Fahrer in Südostasien. Also zahlen wir und lehnen uns müde und zufrieden in unsere Sitze.

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