Gotha spielt - und geht nicht über Los


Meine Kolumne in der Thüringer Allgemeine


Vor einigen Wochen habe ich meine Freundin zum Spieleabend eingeladen. „Aber kein Monopoly!“, hat sie sofort gesagt. Monopoly kann sie nämlich nicht leiden. Hier geht es nur darum, möglichst viel Geld zu machen, Häuser und Straßen zu kaufen und wer arm ist, fliegt raus. Leider hat das viel mit der Realität zu tun – einer Realität, die sie gern verändern möchte.

Monopoly ist nicht das einzige Spiel, das sich leicht auf die Realität beziehen lässt. Spiel und Wirklichkeit stehen in engem Zusammenhang, manchmal sind sie kaum zu trennen. Warum also nicht bei einem Spiel ansetzen, um die Wirklichkeit zu verändern?

Am Freitag spazierten wir über den oberen Hauptmarkt und sie zeigte mir einen ganz besonderen Stand: Liebevoll gestaltete Keramikfiguren, kostbar aussehende Schokolade, Kaffee und Tee wurden da von strahlenden Frauen angeboten. Und dieser Stand war mehr als nur hübsch:
Alles, was hier angeboten wurde, war Fair Trade und Bio und unterstützte zudem die Integration von Menschen mit Behinderungen. Er ist aus der Lokalen Agenda 21 entstanden, bei der sich Gothaer Bürger engagiert beteiligen. So gab es am 19.9. ein erstes „Faires Frühstück“, zu dem jeder Gothaer herzlich eingeladen war.

„Wir spielen mit!“, ist ein weiteres Projekt in diesem Rahmen, das meine Freundin Ilaria De Nuzzo, Übersetzerin und Volkshochschullehrerin, entwickelt hat. Seitdem sie davon erzählt, kribbelt es mir in den Fingern. Ich wünschte, ich wäre wieder Schülerin und könnte meine Klasse bei ihr anmelden. Ich liebe es, zu spielen – Kartenspiele, Brettspiele, zwischenmenschliche Spiele oder Wikinger-Schach. Irgendwie spielen wir doch alle: In langen Spieleabenden oder allein vorm PC, Fußball oder Trinkspiele, mit dem Gedanken, etwas ganz Neues zu beginnen, oder mit dem Essen. Der Mensch ist ein Spieler.

Gemeinsam mit Dana Hellmann, der Leiterin des Energie- und Umwelt-Beratungszentrums der Gothaer Stadtwerke, möchte Ilaria De Nuzzo eine Schulklasse dabei betreuen, selbst ein Brettspiel zu entwickeln. Doch im Gegensatz zu Monopoly soll es hier nicht darum gehen, möglichst viel Geld zu scheffeln. Das Ziel ist, gemeinsam eine nachhaltige und fair handelnde Stadt aufzubauen, die sich um Klima, Umwelt, Ernährung und soziale Gerechtigkeit kümmert. Wie genau sie das erreicht, bleibt den Schülern überlassen. Sie können sich in ihrer Projektwoche Aufgaben, Rätsel oder Karten ausdenken, sie können Spielbrett, -figuren und -würfel gestalten und vor allem können sie natürlich spielen.

An interessierte Gothaer Schulen: Schreibt einen kurzen Motivationsbrief an die Stadtverwaltung Gotha, Büro Lokale Agenda 21. Eure Ansprechpartnerin ist Frau Hellmann, Tel. 03621 / 222-133, Fax 222/ 134, E-Mail: agenda21@gotha.de.

Ich bin wirklich gespannt auf dieses Spiel. Einladungen zu einem fairen Spieleabend nehme ich schon jetzt gern entgegen!

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