Ein Resümee

Meine Kolumne in der Thüringer Allgemeine



Schon bevor ich in Gotha angekommen bin, habe ich an der Ausstellung „Tapetenschreiber“ gearbeitet: Es mussten Konzepte und Anträge geschrieben, Kontakte hergestellt und Schwierigkeiten bedacht werden. Trotzdem habe ich mir das Schülerprojekt anfangs völlig unkompliziert vorgestellt und ohne diese Blauäugigkeit wäre ich wohl nicht so weit gekommen. Manchmal muss man naiv sein, um neue Projekte in Angriff nehmen zu können.

Die Arbeit an „Tapetenschreiber“ war dann ausgesprochen spannend. 5 Wochen lang haben die ehrenamtliche Mitarbeiterin Ilaria De Nuzzo und ich mit 23 Neuntklässlern Schreibübungen gemacht, es sind 23 Texte entstanden und gemeinsam mit den Schülern haben wir weit mehr als 23 Stunden im Haus gemalt, geschrieben und gebastelt. Zwar gab es immer wieder Schwierigkeiten wegen verschiedener Anträge, doch letztlich haben wir unsere Pläne umsetzen können.

Gotha ist eine Stadt, in der all das möglich ist: Junge Leute können sich mitten in der Innenstadt entfalten und das kulturelle Leben mitgestalten. Allerdings ist Gotha auch eine Stadt, in der sich diese jungen Leute dafür ordentlich ins Zeug legen müssen, denn nicht nur das Warten wegen der Anträge zehrt Kräfte, sondern auch die Tatsache, dass allein die Meinung eines alteingesessenen Gothaers, der das weniger bemalte, langsam verfallende Haus an der Wasserkunst früher viel schöner fand, die Arbeit an der Fassade für Tage stoppen kann.

Zum Glück hatten wir von Anfang an auch zahlreiche Unterstützer und so konnten wir in der vergangenen Woche zunächst eine erfolgreiche, private Lesung der Schüler für Ihre Eltern anbieten. Ein tolles Gefühl, die Schüler in ihren Geschichten stehen zu sehen, während sie vorlesen. Doch auch das ist anscheinend Gotha: ein warmer Händedruck der Eltern, eine Einladung zu Bratwurst und Sekt nach der Veranstaltung und dann der Zusatz: „Einen Euro bitte. Haben Sie schon gezahlt?“ Allerdings, das haben wir. Schließlich kam die Veranstaltung nur mit stundenlanger, teils ehrenamtlicher Arbeit für ihre Kinder zustande. Doch die hat sich so oder so wirklich gelohnt.

Am letzten Sonntag eröffneten wir unsere Ausstellung gemeinsam mit Oberbürgermeister Knut Kreuch und vielen interessierten Gothaern. Und während wir gemeinsam Sekt tranken und die Bilder von „Standbild“, der zweiten Ausstellung im Haus, sowie die Geschichten von „Tapetenschreiber“ betrachteten, fiel langsam die Anspannung von mir ab. Wir haben alle Hindernisse überwunden, alle organisatorischen Schwierigkeiten gemeistert und das Ergebnis ist eine Ausstellung, die es so in Gotha noch nie gegeben hat. Vor allem auf unsere Schüler bin ich sehr stolz, die tolle Ideen hatten und spannende Geschichten geschrieben haben.
Die ganze Woche war das Haus jetzt geöffnet, am Samstag ist es noch einmal von 12-20 Uhr zu bewundern und am Sonntag ab 16 Uhr schließen wir die Ausstellung gemeinsam mit der „Hortkindermafia“ in einer Finissage ab. Sie sind herzlich eingeladen – und bei uns ist das Glas Sekt natürlich kostenlos.
Vielen Dank an Gotha, dass all das hier möglich gemacht werden konnte.

Keine Kommentare

Kommentar veröffentlichen

ImpressumKontakt • © 2013 by Rebekka Knoll • Design by Tanja Bertele