Meine Kolumne in der Thüringer Allgemeine

Gotha Caching



Natürlich hatte ich schon oft davon gehört. Und mich gewundert. Geocaching – was bitte soll daran so toll sein? Da gibt es diese Internetseite, auf der Leute eine online Schnitzeljagd gestalten können. In der Realität verstecken sie eine kleine Schachtel, gefüllt mit verschiedenen Dingen, aber vor allem mit einem Schreibblock. Auf der Website geben sie dann ihre Hinweise ein – Koordinaten, Rätsel, Tipps – und wer Lust hat, kann mit deren Hilfe nach der versteckten Schachtel suchen. Das Ziel ist, sich auf den Schreibblöcken zu verewigen.

Wenn mir Leute von diesem Hobby erzählten, stellte ich sie mir dabei ungefähr so vor: Mit dem Handy vor der Nase laufen sie durch die Gegend, ohne irgendetwas außer dem Bildschirm wahrzunehmen. Sie lassen sich von ihrem GPS führen, bis sie beim Schreibblock ankommen. Sie klappen ihn auf und tragen sich ein. Super. Spannend stellte ich mir das nicht gerade vor. Doch jetzt habe ich es das erste Mal selbst getan. Und das in Gotha.

Ich muss sagen: Im Prinzip ist es genauso, wie ich es erwartet hatte. Mein GPS führte uns tatsächlich durch die Stadt. Doch schon während wir liefen, musste ich feststellen, dass es tatsächlich spannend war! Obwohl ich fast seit zwei Monaten in Gotha wohne, führte uns mein Handy an Ecken, die von der Stadtschreiberwohnung zwar nur wenige Minuten entfernt liegen, die ich aber sonst nie bemerkt hätte. Wir sahen die Stadt mit anderen Augen: Überall könnte sich etwas verbergen.

Ein wenig fühlte ich mich zurückversetzt auf einen Kindergeburtstag. Es war genau das gleiche Abenteuer, die gleiche Schatzsuche wie bei einer Schnitzeljagd. Und auch hier ist nicht nur der Weg das Ziel, sondern auch das Ziel ist das Ziel. Denn sobald wir an den angegebenen Koordinaten ankamen, ging die Suche erst richtig los. Das Handy führte uns keineswegs zum Schreibblock, wie ich es geglaubt habe. Wir mussten richtig danach suchen: Im Gras, in Mauern, in Holznischen eines Baumes. Ein Buchstabe auf einer Statue kann schon der entscheidende Hinweis sein – oder dich in die Irre führen.

Das wichtigste: Auf Muggel aufpassen. Wie bei Harry Potter sind Muggel auch beim Geocaching die Leute, die von nichts wissen. Die nicht ahnen, was vor ihrem Haus, auf ihrem Weg zur Arbeit für Schätze lauern. Vor ihnen nicht aufzufallen, ist gar nicht so leicht. Schon nach kurzer Zeit fragte uns ein Muggelkind, wonach wir suchten.
„Nach dem Schatz!“, riefen wir und das Muggelkind sah uns völlig verständnislos an.

Nach vielen Minuten hätten wir beinahe aufgegeben, als eine von uns plötzlich laut schrie. Sie hüpfte wie wild auf der Stelle. Natürlich drehten sich alle um, aber in einem solchen Moment ist die Freude einfach zu groß. Und warum sollte nicht auch das kleine Muggelkind die Wahrheit erfahren? Darüber, welche verborgenen Schätze es in Gotha noch zu finden gilt?

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